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Vor ein paar Wochen habe ich auf dem Zukunftskongress „Berlin lo(c)kt“, der leider unter einer etwas kleinen Teilnehmerzahl zu leiden hatte, die German Toilet Organisation kennengelernt. Dort stellte die Organisation ihre Ausstellung „Sanitation is Dignity“ vor.
Ein leichtes Schmunzeln, das war auch meine erste Reaktion. Doch diese Organisation leistet wichtige Arbeit, indem sie
- über die sanitären Verhältnisse in Entwicklungsländern aufklärt
- sich aktiv für die Verbesserung der sanitären Verhältnisse in Entwicklungsländern einsetzt
Ein wichtiger Punkt ist natürlich, die Jugendlichen und Schüler für ein solches Thema zu interessieren. Die „German Toilet Organisation“ hat hierfür ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: „Klobalisierte Welt“. Mit Schülern von fünf Berliner Schulklassen wird im Rahmen dieses Projekts zum Thema „sanitäre Anlagen“ gearbeitet. Zum UN-Welttoilettentag am Donnerstag, 19. November veranstaltet die Organisation eine Pressekonferenz auf dem Pariser Platz (hinter dem Brandenburger Tor, Berlin). Es werden die Schüler und Teilnehmer des diesjährigen Projekts auftreten und ihre Ergebnisse vorstellen. Interessierte Journalisten und/oder Blogger finden hier die Einladung. Um Zurücksendung des Antworrtfaxes wird unbedingt gebeten!
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Weil mich die Forderungen nach der Abschaffung der Jobcenter, der Einführung der „Kopfpauschale“, die Ablehnung von gesetzlichen Mindestlöhnen, den geplanten Ausbau desNiedriglohnsektors(menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, sittenwirdige Löhne!) schon etwas unsozial vorkam, habe ich mich einmal schriftlich an Strahle-Guido Guido Westerwelle stellvertretend für die FDP-Bundestagsfraktion gewand, um ihn mit meinen Befürchtungen, die FDP verfolge eine rücksichtslose „Ökonomisierung“ der Gesellschaft, zu konfronitieren.
Sehr geehrter Herr Westerwelle,
Aus persönlichen Gründen engagiere ich mich sehr für Behindertenpolitik und die Inklusion „behinderter“ Menschen in eine solidarische Gesellschaft. Ich wende mich an Sie in ihrer Eigenschaft als FDP Bundesvorsitzender und „das Gesicht“ der FDP in der Bundesregierung.
In dem von CDU und FDP vorgelegten Koalitionsvertrag heißt es:„Es ist Ziel dieser Koalition, die wirtschaftliche und soziale Leistungsfähigkeit von Familien weiter zu stärken.“ (ZEILE 2946 – 2947)
Zieht man dazu die Wahlkampfforderungen ihrer Partei nach Abschaffung des Gesundheitsfonds, Abschaffung der Arbeitsämter, Ablehnung von Mindestlöhnen, Ausbau des Niedriglohnsektors sowie die von Ihnen mantra-artig wiederholte Parole „Arbeit muss sich wieder lohnen.“ In Betracht, so drängt sich mir das ungute Gefühl auf, die FDP sei eine unsoziale, ja sogar die unsozialste deutsche Partei. Mir persönlich stellt sich dann die Frage nach den „behinderten“ Menschen in der Gesellschaft. Folgt man ihrer Argumentation, verfolgen Sie und Ihre Partei eine „Ökonomisierung“ der Gesellschaft, d.h. Sie sortieren in der Gesellschaft fein säuberlich nach rein ökonomischen Aspekten, wie zum Beispiel „Wer ist am profitabelsten?“ Wer nicht „profitabel“ ist, der soll von der Gesellschaft fallen gelassen werden. Eine Solidargesellschaft wäre damit abgeschaft. Sogar in der Familie wollen Sie Leistungsfähigkeit fördern, „nicht leistungsfähige“ Familien lassen Sie bei Ihren Förderungen ganz außen vor. Es ist eindeutig festzustellen, dass „Behinderte“ in den Augen der FDP also nicht als „profitabel“ gelten, weil sie keinen ökonomischen Fortschritt zu bringen scheinen (ob dies wirklich der Fall ist, wage ich übrigens zu bezweifeln!).
Eine solche „Ökonomisierung“ der Gesellschaft kommt mir aus der deutschen Geschichte sehr bekannt vor, die verheerenden Folgen sollten uns allen bekannt sein.„60.000 RM (Reichsmark) kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, dass ist auch dein Geld!“
Mit solchen und ähnlichen Parolen wurde 1934 begonnen, die NS-„Eugenik“ gesellschaftlich zu legitimieren, die letztendlich in der am 01.September 1939 erlassenen „Euthanasie“-Aktion mündete. Erschreckend an dieser Parole ist, dass die Nationalsozialisten eine „Ökonomisierung“ der deutschen Bevölkerung verfolgten, deren Ziel es war, die unprofitablen Glieder loszuwerden. Unprofitabel waren die „Behinderten“ im Sinne einer ökonomischen Volksgemeinschaft auch damals schon.
Und so wurde der Beginn der der nationalsozialistischen Massenmorde mit immerhin 500.000 umgebrachten „Behinderten“ und „psychisch kranken“ mit Argumenten legitimiert, die heutzutage die FDP als Forderung stellt.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte weder Ihre Partei mit der NSDAP gleichsetzen (das wäre eine fatale Überschätzung der Fähigkeiten der FDP), noch die heutige Situation der „behinderten“ Menschen in der Bundesrepublik mit den damaligen Verhältnissen vergleichen. Ein solcher Vergleich wäre grob fahrlässig und entzöge sich jedweder Glaubwürdigkeit. Ich möchte Sie lediglich davor warnen, eindringlich davor warnen, welch fatale Folgen die von Ihnen so ersehnte „Ökonomisierung“ der Gesellschaft hat. Die schwachen in der Gesellschaft werden einfach außer acht gelassen und von der Gesellschaft nicht weiter beachtet. Eine schöne Forderung, die die FDP da stellt.
Doch das ist nur die eine Seite zu dem Thema „Behindertenpolitik“. Denn andererseits lässt der Experte für Behindertenpolitik Ihrer Partei, Dr. Erwin Lotter, repräsentativ für die FDP in einer Publikation verlauten:„Politik für Menschen mit Behinderung ist Bürgerrechtspolitik. Die vollständige Möglichkeit behinderter Menschen, an allen Bereichen des Lebens teilzunehmen, ist eines der Hauptziele liberaler Politik für Menschen mit Behinderung.“
An sich ist das eine gute Sache, nur scheinen solche Formulierungen für mich wenig glaubwürdig, eben weil die FDP aus der deutschen Solidargesellschaft eine nach ökonomischen Gesichtspunkten klar auf Effizienz ausgerichtete Gesellschaft schaffen möchte, in der es nicht erwünscht ist, ein schwächeres Gesellschaftsmitglied zu unterstützen. Wenn Sie sich ansehen, wie Sie mit Ihren Forderungen, die Arbeitsämter abzuschaffen, statt des Gesundheitsfonds eine Kopfpauschale einzuführen, einen gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn nicht einzusetzen, die arbeitslosen und auf soziale Unterstützung der Solidargemeinschaft angewiesenen Mitglieder schikanieren, wissen Sie vielleicht, was ich meine und wo meine Befürchtung liegt.
Zum Abschluss würde ich Sie nur bitten, mir folgende Frage zu beantworten: Wie möchten Sie trotz der von Ihnen klar angestrebten ökonomisierten Gesellschaft eine soziale Behindertenpolitik, wie Sie Dr. Erwin Lotter fordert, durchsetzen? Erlauben Sie mir noch eine zweite Frage: Wenn Ihnen und der FDP eine soziale Behindertenpolitik von so zentraler Bedeutung ist, dann hat die neue Bundesregierung doch bestimmt schon einen Behindertenbeauftragten. Verraten Sie mir seinen Namen?Mit freundlichen Grüßen
Ehrlich gesagt, rechne ich nicht mit einer Antwort, aber was solls.
Im Zugew meiner Recherche über Behindertenpolitik in der FDP bin ich dann auf Dr. Erwin Lotter gestoßen, der sich wirklich sehr engagiert für Behindertenpolitik einsetzt, wie man an den vielen Publikationen sehen kann. Besonders interessant:
Mit diesem Herren werde ich in näherer Zukunft telefonieren, da ich seine Ansätze für wirklich positiv und einen Schritt in die richtige Richtung halte. Trotzdem betrachte ich die von der FDP angestrebte ökonomisch ausgerichtete Gesellschaft sehr, sehr kritisch, wie es auch in meinem Schreiben anklingt.
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Eine ganz neuer Weg, sich mit dem Thema „Euthanasie“ und Zwangssterilisierung auseinanderzusetzen, ist die Musik. Heute erreichte mich der Link zu einer Gruppe namens „Schattenkabinett“, die genau dies getan hat. Den dabei entstandenen Rap kann man sich hier anhören. Großes Lob an die Interpreten!
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Mit jedem Jahr, in dem eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der „Euthanasie“-Opfern und Zwangssterilisierten stattfindet, werden mehr Leute auf diese Veranstaltung aufmerksam. Es war ein sehr bewegender Nachmittag, der Erinnern, Mahnen und zum Gedenken anregen sollte. Durch die Veranstaltung führte (wie bereits in den Jahren zuvor) Ruth Fricke, die sich im Bundesverband der Psychatrieerfahrenen (BEP) e.V. engagiert. Das formale Grußwort erfolgte durch den Bürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke.

Dr. Christian Hanke
Als Vertreter des Runden Tisches und in seiner ehemaligen Funktion als Behindertenbeuftragter der Stadt Berlin ergriff daraufhin Herr Martin Marquard das Wort für die einzige wirkliche Rede dieses Nachmittags. Er erwähnte die gesllschaftliche Ächtung von „Behinderungen“ genauso wie die historischen Fakten der „Euthanasie“-Aktion.

Martin Marquard - ehem. Behindertenbeauftragter Berlins
Den ergreifensten Part des Gedenkens bildete aber meiner Meinung nach die Autorin Kerstin Schneider, die aus dem von ihr verfassten Buch „Maries Akte“ vorlas. In dem Buch schildert die Autorin das Leben ihrer Großtante MArie (soweit es recherchiert wurde), die der Euthanasie als sogenannte „psychisch Kranke“ der Euthanasie zum Opfer fiel. Ebenfalls sehr interessant sind die Passsagen des Buches, die von dem Umgehen innerhalb der Familie mit diesem Mord handeln.

Kerstin Schneider - Autorin
ICh hoffe sehr darauf, dass der BPE e.V. diese Veranstaltung wieder großflächig begleitet hat und dementsprechendes Material möglichst zeitnah zur freien Verfügung bereitstellt. Bei Allen, die am Samstag an der Gedenkveranstaltung teilgenommen haben, möcht ich mich herzlich bedanken. Hier noch ein paar weitere Impressionen:


Publikum

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Das geht ja jetzt Schlag auf Schlag: Gestern noch einen Post über Frau Kennedy Shriver geschrieben, und heute erreicht mich Folgendes:
Am Samstag, den 05.September findet dieses Jahr die alljährliche Man- und Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer der „Erbgesundheitsgesetze“ aus dem Nationalsozialismus statt.
Unter Dem Motto Gleichstellung und Entschädigung der Opfer – jetzt! werden neben dem Bezirksbürgermeister des Berliner Stadtteils Mitte, Dr. Christian Hanke, unter Anderem der Beauftragte des Landes Berlin für die Belange „behinderter“ Menschen, Martin Marquard, sowie die freihe Autorin Kerstin Schneider zu Wort kommen. Auch werden bei der diesjährigen Veranstaltung zwei Gebärdendolmetscher anwesend sein, damit sich keinerlei Barrieren den gehörlosen Menschen in den Weg stellen. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird Frau Ruth Fricke (BPE e.V.) durch die Veranstaltung führen.
In aller Kompaktheit:
Samstag, 05. September 2009,
Tiergartenstraße 4, Berlin-Mitte (vor der Philharmonie)
Beginn: 14:00 Uhr
Natürlich existiert die Einladung auch im PDF-Format. Diese kann man sich hier ansehen.
Ich hoffe auf zahlreiches Erscheinen!
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Heute morgen, 11.08.2009, ist die Schwester des früheren Amerikanischen Präsidenten John F Kennedy 88-jährig verstorben. Nun ja, das ist zunächst nicht unbedingt eine Meldung für ein Blog, das sich mit der „Euthanasie“-Geschichte und „behinderten“ Menschen in der heutigen Gesellschaft beschäftigt.
Eunice Shriver, die Mutter Maria Shrivers, jedoch hat erstaunliches für die „Behinderten“ und den „Behinderten“-Sport geleistet: Sie hat die ersten Special Olympics im Jahr 1968 organisiert, inspiriert von ihrer „geistig behinderten“ Schwester Rosemary Kennedy. Mit der Organisation und der regelmäßigen Austragung hat Frau Shriver somit „behinderten“ Menschen erstmals die Möglichkeit gegeben, sich in Olympischen Disziplinen einer stetig wachsenden Öffentlichkeit zu präsentieren und diese unweigerlich mit dem Thema „Behinderung“ und „behindert sein“ bzw. als „behindert“ bezeichnet zu werden, konfrontiert. Zwar gab es erste sportliche Wettkämpfe für Rollstuhlfahrer schon seit dem Jahr 1948, so wurde der Fokus in der Entwicklung des „Behinderten“-Sports doch zu sehr auf „körperbehinderte“ Menschen gelegt. In diesem Zuge entwickelten sich die die Paralympics, die seit 1992 in unmittelbarem Zusamenhang mit den Olympischen Sommer- bzw. Winterspielen organsiert werden. Doch für geistig „behinderte“ Menschen gab es alnge Zeit nichts dergleichen.
Auuch die seit 1968 in relativ regelmäßig stattfindende Spiele veränderten sich im Laufe der Zeit, und so findet man unter den insgesamt 27 offiziell anerkannten Special Olympics Sportarten neben „gewöhnlichen“ Sportarten wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik auch „Softball“ oder „Speed-Inline-Skateing“, das derzeit noch auf eine Akkreditierung als „offizielle olympische Sportart“ wartet.
In Deutschland ist der Verband Special Olympics Deutschland mit der Organisation des „Behinderten“-Sportes für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung betraut. Weitere bedeutende Verbände finden sich in Luxemburg, Österreich, der Schweiz und natürlich Amerika, deren Seite bemerkenswerter Weise die Domain http://www.eunicekennedyshriver.org/“trägt. Das zeigt noch einmal, wie herzlich und liebevoll sich Frau Shriver für die Special Olympics engagiert hat.
Außerhalb der Special Olympics hat Frau Shriver (oder korrekt Frau Kennedy Shriver) Camps eingerichtet, in denen „geistig behinderte“ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihren sportlichen Hobbies nachgehen können. In diesem Video spricht die Gründerin über den Mangel an Möglichkeiten für „geistig Behinderte“, sich sportlich zu betätigen und das daraus resultierende Sieken des Selbstvertrauens und -wertgefühls.
In einer Reportage des Amerikanischen Fernsehsenders NBC wird die Biografie Frau Kennedy Shrivers kurz beleuchtet, und es wird deutlich, dass ihr Bruder, damals Präsident der Vereinigten Staaten, das Engagement seiner Schwester für den Sport von „gesteig behinderten“ Menschen tatkräftig unterstützt und die gesllschaftliche Anerkennung „behinderter“ Menschen maßgeblich gefördert hat.
Doch auch in Deutschland hat der „behinderten“-Sport einen prominenten Vertreter: Unseren Bundespräsidenten Horst Köhler. Regelmäßig besucht er neben Wolfgang Schäuble, in seiner Funktion als Bundesinnenminister (auch für den Bereich Sport zuständig>, der seit der Wahlkampfattacke eines Phanatikers querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt, die Eröffnung sowie zahlreiche Wettkämpfe der Paralympischen Spiele. Für den deutschen Special Olympics Verband übernahm Horst Köhler kürzlich die Schirmherrschaft für die so genannten National Games, eine Art Special Olympics nur eben auf nationaler Ebene. Doch auch bei ihm geschieht das nicht alles ohne einen persönlichen Hintergründ: Horst Köhler hat eine blinde Tochter, die an der unheilbaren Augenkrankheit Augenkrankheit „Retinopathia pigmentosa“.
Doch trotz alledem: Der Geist von Eunice Kennedy Shriver lebt weiter, in dem von ihr zu Kräfte gebrachten Sport für „geistig behinderte“ Menschen. Für ihr Engagement und ihren selbstlosen Einsatz danken wir ihr von ganzem Herzen.
You are the stars and the world is watching you. BY your presence you send your message to every village, every city, every nation. A message of hope. A message of victory.
(Eunice Kennedy Shriver, 1987 Special Olympic Worldgames, South Bend, Indien)
Gespeichert unter: "Behinderung" und Gesellschaft | Schlagworte: "Euthanasie", assimilation, ausgrenzung, Behindert, Behinderung, down-syndrom, eugenik, exklusion, förderung, fehler, fläming, Gesellschaft, grundschule, Hitler, ignorant, Integration, makel, Nazis, npd, pädagogik, rassismus, rassistisch, seperation, tollerant
Ich habe mir mal vorgenommen, einen etwas tiefgründigeren Blogeintrag zu verfassen, zu dem Thema Integration. Hierbei möchte ich mich auf die Integration „behinderter“ Menschen konzentrieren, diese wird im öffentlichen Leben meist vergessen.
Pädagogische Integration bezeichnet das Einbinden von Menschen mit Behinderung in den Unterricht „nichtbehinderter“ Menschen. Das ist ja eigentlich eine wirklich tolle Idee. Dabei wird jedoch zwischen zielgleicher und zieldifferenzierter Integration unterschieden.
zielgleiche Integration
Das Erreichen ein und desselben Ziels von „behinderten“ und „nichtbehinderten“ Menschen wird vorrausgesetzt. Dies soll erreicht werden, indem alle Schüler unter den selben Rahmenbedingungen unterrichtet werden.
zieldifferenzierte Integration
Diese Integrationsform geht sehr viel individueller auf die Möglichkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Schüler ein. Im Gegensatz zur zielgleichen Integration werden den einzelnen Schülern jeweils unterschiedliche Ziele in Aussicht gestellt, auch die Rahmenbedingungen des Unterrichts variieren von Schüler zu Schüler.
Eine zieldifferenzierte Integration kann jedoch nur in Zusammenhang mit Sozial- oder Sonderpädagogen angeboten werden.
Pädagogische Integration findet man in Deutschland nur in Grundschulen (bis auf wenige, zu wenige Ausnahmen!).
Angefangen habe ich mein Post ja mit dem Satz „Das ist ja eigentlich eine wirklich tolle Idee.“. Auf diese von mir beabsichtigte Einschränkung möchte ich jetzt Bezug nehmen. Denn in der allgeimenen Gesellschaft wird Integration fast ausschließlich auf zielgleiche Integration reduziert. Und genau da liegt der Fehler. Denn um es mal etwas zugespitzt zu sagen: Was soll denn diese ganze übermäßige Förderung? Montags Logopädie, Dienstags Bewegungstherapie, Mittwochs Sprachförderung, Donnerstags Ergotherapie und Freitags irgendeine zusätzliche Therapie oder ein Arztbesuch. Alles nur damit die „behinderten“ Kinder möglichst „normal“, wie es die Gesellschaft so schön zu benennen pflegt, wirken. Woher das durch die Behinderung meist sowieso schon geschwächte Kind die Kraft für all diese Therapien und „besonderen“ Fördermethoden nehmen soll, wo das Kind Freunde findet und lernt, sich in einer Gesellschaft zu positionieren, das interessiert in diesem Zirkus leider niemanden. Die Frage, ob ein „behindertes“ Kind durch diverse Therapien glücklicher wird, wage ich garnicht erst zu stellen.
Und das soll also eine gute Integration sein, die „behinderte“ Kinder in ihr Unglück treibt, und sie unter dem Gesellschaftsdruck, „makellos“ sein (scheinen) zu müssen, zerbrechen?
Dem schließt sich eine weitere Frage an: Warum kann eine Gesellschaft nicht die „Behinderung“ ihrer Mitglieder akzeptieren und damit dementsprechend umgehen?
Denn eigentlich heißt Integration nicht, jeder Mensch, egal ob „behindert“ oder „nicht-behindert“ muss das gleiche Ziel erreichen, denn die Leistungsanforderung an den „behinderten“ Menschen wäre immens höher. Eine erfolgreiche gesellschatliche Integration heißt für mich, die „Behinderung“ anderer Mitmenschen zu akzeptieren, ihnen alle Möglichkeiten zur Förderung bereitzustellen, sie aber zu nichts zu zwingen!! Ziel für eine optimales Miteinander „behinderter“ und „nichtbehinderter“ Menschen muss eine Gesellschaft sein, in der jeder Mensch nach seinen Möglichkeiten leben kann und sicht für nichts schämen muss, in der sich ein Mensch mit „Down-Syndrom“ (die Bezeichnung „Mongoluismus“ ist eine eindeutige Beleidigung, das sei an dieser Stelle einmal bemerkt!!) nicht schallendem Gelächter ausgesetzt sehen muss, nur weil er sich nicht so klar artikulieren klann wie der „gesunde“ Mensch, und seine Eltern sich nicht mit der vorverurteilenden Frage „Ja, habt ihr den Jungen denn nicht genug gefördert?“ konfrontiert fürchten müssen. Weil, wie sollen sich die Eltern bei dieser frage verteidigen/rechtfertigen? Und viel schlimmer: Warum müssen sie sich überhaupt dafür rechtfertigen, ihren Sohn sein Leben leben gelassen und ihn nicht von einem Arzt zum nächsten gezerrt zu haben. Kritiker mögen hier das bedeutungsschwangere Argument Verantwortung einbringen. Aber was heißt *Verantwortung* eigentlich? Wikipedia die allwissende Müllhalde sagt dazu:
„Verantwortung bedeutet die Möglichkeit, dass eine Person für die Folgen eigener oder fremder Handlungen Rechenschaft ablegen muss. Sie drückt sich darin aus, bereit und fähig zu sein, später Antwort auf mögliche Fragen zu deren Folgen zu geben. Eine Grundvoraussetzung hierfür ist die Fähigkeit zur bewussten Entscheidung.“
Diese Definition deckt sich mit meiner Auffassung, denn auch hier wird nicht von „Schaden wettmachen“ oder ähnlichem Quatsch geredet.
Natürlich stimmt es, dass Eltern ihren Kindern gegenüber eine gewisse Verantwortung tragen, aber das heißt (nur), dass Eltern Entscheidungen treffen, deren Folgen sie später vor ihren Kindern verantworten müssen. Unter diesem Gesichtspunkt ist der Förderwahn von Eltern für mich in einigen, begrenzten Punkten in der heutigen Gesellschaftshaltung nachvollziehbar: Kein Elternteil kann seinem Kind rational begründen, warum man sich damals gegen auf Assimilierung abzielende Förderungsmöglichkeiten verzichtet hat, und dem Kind somit die Teilname an einem gesellschaftlichen, unbeschwerten Leben versagt hat (weil die Gesellschaft „Behinderung“ immer noch ablehnt!).
Das Verhalten der Gesellschaft, Fremdes und Ungewohntes abzustoßen, gilt es jedoch nicht einfach so hinzunehmen. Dieses Gesellschaftsbild müssen wir verändern! Wir brauchen in unserer Gesellschaft eine starke zieldifferenzierte Integration, anstatt einer „Auswahl“ zwischen Assimilierung und Exklusion „behinderter“ Menschen. Diese Veränderung, das möchte ich gar nicht bestreiten, ist jedoch nicht ohne äußere Hilfe zu schaffen!
Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der ein Mensch mit „Down-Syndrom“, ohne abfällige Blicke zu ernten, in einem Lebensmittelmarkt arbeiten kann, und nicht in der hintersten Ecke einer „Behinderten“-Werkstatt versteckt werden muss (wie es heutzutage leider passiert), um nicht als „lebensunwert“ „fehlerhaft“ enttarnt zu werden.
Zum Abschluss dieses Artikels möchte ich Folgendes klartstellen: Mit diesem Post möchte ich in KEINSTER WEISE die Argumentation der NPD oder ähnlicher rassistischer Parteien / Gruppierungen unterstützen, „behinderten“ Menschen entsprechende Förderung zu verbieten und sie abzuschieben! Diese Argumentation ist für mich besonders widerlich, da ich auf einer integrativen Grundschule aufgewachsen bin und daher die Vorzüge des Einbeziehens „behinderter“ Menschen in den Lebensalltag zu schätzen weiß!
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So, bis heute (14.06.2009), also 14 Tage nach meinem Brief, hat es Herr Dr. Grube die Deutsche Bahn AG nicht auf die Reihe bekommen, mir zu antworten. Da werde ich wohl telefonisch naschforschen müssen…
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Jetzt möchte ich mir also einmal die Zeit nehmen, meine neuesten Erfahrungen mit der Bahn zu schildern:
Letzte Woche Sonntag, Rückfahrt von Köln nach Berlin. Am Kölner HBF zunächst das größte Chaos. Der Zug hat Verspätung, der Bahnsteig ist überfüllt, alle Reisenden sind bereits vor Fahrtantritt genervt.
Der Zug fährt ein, alle Menschen stürmen hinein, der unsegliche Kampf um freie Plätze schreit bereits nach seinen ersten Opfern. Wir bemerken, dass in unserem Wagen die Klimaanlage kaputt ist. Als es jedoch trotzdem auf einmal angenehm kühl wird, staunen wir nicht schlecht: Plötzlich steht die Wagentür offen, auf freier Strecke! Aber bis hier ist das ja mehr oder weniger nichts Besonderes bei der Bahn, leider gehört das zur „Tagesordnung“.
Dann auf einmal kurz vor Hannover HBF: Wirre und gehetzte Durchsage des Zugbegleiters, in Hannover müssten alle Reisenden aussteigen, es sei irgendwas am Zug defekt. Uns wurde natürlich freundlicher Weise völlig verschwiegen, um was es sich handelte. Das schafft unglaubliches Vertrauen…
Alle Reisende drängen also zur Tür, keiner will der Letzte im Zug verbliebene sein. Als ich mit der Flucht aus dem Zug an der Reihe bin (die Fahrgäste und Zugbegleiter machten einen Druck, so als würde der ganze Zug in Flammen stehen, was aber offensichtlich nicht der Fall war!). Ich sehe aus der Zugtür hinaus, und mich bewegt nur eine Frage: Wie schaffe ich es jetzt, unversehrt auf den Bahnsteig zu gelangen? Denn direkt vor mir (ich stehe bereits auf der LETZTEN Stufe vor der Zugtür) sehe ich eine Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante von bestimmt 60 – 70 cm.
Nun sei dazu gesagt, dass ich durch eine Gehbehinderung Schwierigkeiten mit meinem Gleichgewicht habe, und es mir in solch hektischen Situationen mit vielen aufgebrachten Menschen sehr schwer fällt, die nötige Konzentration für einen reibungslosen bzw. „normalen“ Bewegungsablauf zusammenzusammeln. Und daher stellt diese Lücke, dieser Spalt schon eine Herausforderung an mich dar. Hinzu kommt noch mein Koffer, und die stetig hinter mir rausdrängende Menge, die sich auch nicht mehr beruhigen lässt. Zu guter Letzt springe ich (und das ist wahrlich nicht übertrieben!!) aus dem Zug mit meinem Koffer.
Nur kurz der weitere Verlauf der Reise: Auf dem Bahnsteig angekommen geht es dann hektisch weiter auf ein anderes Gleis, durch eine Unterführung hindurch, natürlich nicht ohne Zeitdruck. Dort steht ein ICE nach Berlin, der natürlich hoffnungslos überfüllt ist. Eine Schaffnerin erklärt mir, das Schwerbehindertenabteil befände sich drei Wagen weiter, woraufhin ich dankend ablehne. Denn: ich habe keine Lust mehr, über einen ebenfalls überfüllten Bahnsteig zu eilen, um dann womöglich dem Zug noch hinterherwinken zu dürfen, oder irgendwie hinzufallen. Und durch den fahrenden Zug, das ist auch nicht immer so einfach, vor allem nicht im Bahnhofsgebiet (der vielen ruckartigen Kurven wegen) und so sichere ich mir einen Platz auf dem Gang. Die Schaffnerin ist ausergewöhnlich freundlich zu mir, da sie ja (vermutlich) noch weiß, dass ich am Bahnhof nach dem Schwerbehindertenabteil gefragt habe. Letztendlich komme ich also in Berlin mit 35 min. Verspätung an und einer gehörigen Portion Wut / Enttäuschung im Bauch.
Denn ich finde, das kann es einfach nicht geben! Es ist ein Unding, dass die Bahn einen ebenerdigen Zugang zu ihren (Fernverkehrs-)Zügen nicht ermöglicht. Und sowas nennt sich „Verkehrsmittel der Zukunft“! Naja, für mich wird es wohl in Zukunft dennoch bei der Bahn bleiben, denn ich persönlich sehe es bisher noch nicht, dass ich einen Führerschein machen werde, und ihn dann auch im Straßenverkehr nutze…
Meinen Ärger über die Bahn habe ich dann also heute (01. Juni) verschriftlicht und werde ihn dem neuen Bahnchef, Herrm Dr. Rüdiger Grube (den Namen sag ich ganz stolz, hab ihn nämlich durch meine Recherche, wo der Brief nun hingehen soll, gelernt) auf schnellstem Wege zukommen lassen.
Hoppla, ich glaube, das mit dem schnellsten Wege war gelogen, ich werde den Brief nämlich mit der Post schicken…
Dieser Brief ist natürlich auch hier zu finden: Brief an die Bahn
Ich melde mich dann wieder, wenn ich Antwort erhalte. Und wenn keine Antwort kommt, melde ich mich natürlich auch – Denn keine Antwort ist auch eine Antwort!
Bis hoffentlich bald!
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„Kinder sind Zukunft“ (2007) kümmerte sich um Deutschlands Kinder und deren Potenzial, „Mehr Zeit zu leben“ (2008) um Lebensmöglichkeiten im Alter, steigende Lebenserwartung und um die Herausforderungen, die ein demografischer Wandel mit sich bringt, jeweils eine Woche in ALLEN Rundfunkanstalten der ARD. Und jetzt geht es in der neuen Themenwoche „Ist doch Ehrensache“ um ehrenamtliche HelferInnen, die sich für eine soziale Gesellschaft verdient machen. Und wieder spielt die ganze ARD-Mannschaft eine Woche lang verrückt.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Ich finde es äußerst gerechtfertigt und an der Zeit, dass ehrenamtliche HelferInnen im Fernsehen der Gesellschaft vorgestellt und geehrt werden.
Es stellt sich doch nur folgende Frage: Haben die Themen „Kinder sind Zukunft“ oder „Mehr Zeit zu leben“ in den Medien nach deren Themenwochen noch jemals stattgefunden? Eindeutige Antwort: Nein! Und da liegt der Fehler im System.
Denn solche, für eine soziale Gesellschaft unabdinbare Themen sind viel zu wichtig, als dass es reicht, sie eine Woche in den Medien zu präsentieren. Sie müssen dort eine dauerhafte, aber dezente Rolle spielen. Solche Reportagen über ehrenamtliche Helfer zum Beispiel könnte man in ein alltägliches Programm einfügen und muss sie nicht als „absolute Besonderheit“ im Programmablauf anpreisen. Die ehrenamtlichen HelferInnen machen aus ihrer Arbeit schließlich keinen großen Hehl. Wenn wir als Zuschauer eine Woche lang zu hören bekommen, wie wichtig beispielsweise ein ehrenamtliches Engagement ist, so nehmen wir uns eine Woche lang, vor selbiges zu tun, vergessen es aber danach getrost wieder. Und erinnert man sich dann an das fatale Vergessen so werden wir sogar noch von dem schlechten Gewissen, nichts dergleichen getan zu haben, befreit, wir hatten uns ja schließlich schon eine Woche „intensiv“ mit dem Thema „Ehrenamt“ beschäftigt. Aber geholfen haben wir damit auch keinem.
Deshalb halte ich die Einführung der „Themenwoche“ in der ARD für den denkbar falschesten Weg, gesellschaftliche Themen dauerhaft zu vermitteln. Ich denke eher, dass die Themenwoche die ARD von von dem schlechten Gewissen befreien soll, bisher zu wenig für eine soziale Gesellschaft getan zu haben. Dass sich dies durch die Konzentration des gesamten Medienangebots auf ein Thema in einer Woche von 52 Wochen ändert, ist pure Augenwischerei.
Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben nun eben neben der neutralen Informationspflicht auch die Pflicht, moralisch und gesellschaftlich wichtige Werte zu vermitteln, und zwar dauerhaft. Dieser Pflicht kommen sie jedoch derzeit in keinster Weise nach, leider!