So, bis heute (14.06.2009), also 14 Tage nach meinem Brief, hat es Herr Dr. Grube die Deutsche Bahn AG nicht auf die Reihe bekommen, mir zu antworten. Da werde ich wohl telefonisch naschforschen müssen…
Jetzt möchte ich mir also einmal die Zeit nehmen, meine neuesten Erfahrungen mit der Bahn zu schildern:
Letzte Woche Sonntag, Rückfahrt von Köln nach Berlin. Am Kölner HBF zunächst das größte Chaos. Der Zug hat Verspätung, der Bahnsteig ist überfüllt, alle Reisenden sind bereits vor Fahrtantritt genervt.
Der Zug fährt ein, alle Menschen stürmen hinein, der unsegliche Kampf um freie Plätze schreit bereits nach seinen ersten Opfern. Wir bemerken, dass in unserem Wagen die Klimaanlage kaputt ist. Als es jedoch trotzdem auf einmal angenehm kühl wird, staunen wir nicht schlecht: Plötzlich steht die Wagentür offen, auf freier Strecke! Aber bis hier ist das ja mehr oder weniger nichts Besonderes bei der Bahn, leider gehört das zur „Tagesordnung“.
Dann auf einmal kurz vor Hannover HBF: Wirre und gehetzte Durchsage des Zugbegleiters, in Hannover müssten alle Reisenden aussteigen, es sei irgendwas am Zug defekt. Uns wurde natürlich freundlicher Weise völlig verschwiegen, um was es sich handelte. Das schafft unglaubliches Vertrauen…
Alle Reisende drängen also zur Tür, keiner will der Letzte im Zug verbliebene sein. Als ich mit der Flucht aus dem Zug an der Reihe bin (die Fahrgäste und Zugbegleiter machten einen Druck, so als würde der ganze Zug in Flammen stehen, was aber offensichtlich nicht der Fall war!). Ich sehe aus der Zugtür hinaus, und mich bewegt nur eine Frage: Wie schaffe ich es jetzt, unversehrt auf den Bahnsteig zu gelangen? Denn direkt vor mir (ich stehe bereits auf der LETZTEN Stufe vor der Zugtür) sehe ich eine Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante von bestimmt 60 – 70 cm.
Nun sei dazu gesagt, dass ich durch eine Gehbehinderung Schwierigkeiten mit meinem Gleichgewicht habe, und es mir in solch hektischen Situationen mit vielen aufgebrachten Menschen sehr schwer fällt, die nötige Konzentration für einen reibungslosen bzw. „normalen“ Bewegungsablauf zusammenzusammeln. Und daher stellt diese Lücke, dieser Spalt schon eine Herausforderung an mich dar. Hinzu kommt noch mein Koffer, und die stetig hinter mir rausdrängende Menge, die sich auch nicht mehr beruhigen lässt. Zu guter Letzt springe ich (und das ist wahrlich nicht übertrieben!!) aus dem Zug mit meinem Koffer.
Nur kurz der weitere Verlauf der Reise: Auf dem Bahnsteig angekommen geht es dann hektisch weiter auf ein anderes Gleis, durch eine Unterführung hindurch, natürlich nicht ohne Zeitdruck. Dort steht ein ICE nach Berlin, der natürlich hoffnungslos überfüllt ist. Eine Schaffnerin erklärt mir, das Schwerbehindertenabteil befände sich drei Wagen weiter, woraufhin ich dankend ablehne. Denn: ich habe keine Lust mehr, über einen ebenfalls überfüllten Bahnsteig zu eilen, um dann womöglich dem Zug noch hinterherwinken zu dürfen, oder irgendwie hinzufallen. Und durch den fahrenden Zug, das ist auch nicht immer so einfach, vor allem nicht im Bahnhofsgebiet (der vielen ruckartigen Kurven wegen) und so sichere ich mir einen Platz auf dem Gang. Die Schaffnerin ist ausergewöhnlich freundlich zu mir, da sie ja (vermutlich) noch weiß, dass ich am Bahnhof nach dem Schwerbehindertenabteil gefragt habe. Letztendlich komme ich also in Berlin mit 35 min. Verspätung an und einer gehörigen Portion Wut / Enttäuschung im Bauch.
Denn ich finde, das kann es einfach nicht geben! Es ist ein Unding, dass die Bahn einen ebenerdigen Zugang zu ihren (Fernverkehrs-)Zügen nicht ermöglicht. Und sowas nennt sich „Verkehrsmittel der Zukunft“! Naja, für mich wird es wohl in Zukunft dennoch bei der Bahn bleiben, denn ich persönlich sehe es bisher noch nicht, dass ich einen Führerschein machen werde, und ihn dann auch im Straßenverkehr nutze…
Meinen Ärger über die Bahn habe ich dann also heute (01. Juni) verschriftlicht und werde ihn dem neuen Bahnchef, Herrm Dr. Rüdiger Grube (den Namen sag ich ganz stolz, hab ihn nämlich durch meine Recherche, wo der Brief nun hingehen soll, gelernt) auf schnellstem Wege zukommen lassen.
Hoppla, ich glaube, das mit dem schnellsten Wege war gelogen, ich werde den Brief nämlich mit der Post schicken…
Dieser Brief ist natürlich auch hier zu finden: Brief an die Bahn
Ich melde mich dann wieder, wenn ich Antwort erhalte. Und wenn keine Antwort kommt, melde ich mich natürlich auch – Denn keine Antwort ist auch eine Antwort!
Bis hoffentlich bald!
Bevor das Denkmal des Grauen Busses am 18. Januar in Brandenburg/Havel aufgestellt wird, soll auch der Abbau dieses Denkmals in Berlin von der Öffentlichkeit begleitet werden. Dazu lädt stellvertretend für alle Interessenten und Aktivisten im Bereich „Euthanasie“-Gedenken die Stiftung Topografie des Terrors am
Samstag, 17. Januar 2009,
um 11 Uhr,
auf den Vorplatz der Philharmonie (Tiergartenstraße, Berlin-Tiergarten),
um den Grauen Bus gebührend zu verabschieden. Nähres zum Abbau des Grauen Bus, sowie zu dessen Aufstellung in Brandenburg/Havel finden Sie hier: 20080108_pm_grauer_bus_brandenburg
Ich hoffe auf zahlreiches Erscheinen!
Hier nun endlich ein paar Bilder von der Veranstaltung am 06.09.2008
Es war eine sehr gulengene Veranstaltung!!
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