„Cast Offs“ – Die Verstoßenen

•Dezember 4, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Eine einsame schottische Insel. Auf dieser Insel werden Gabriella, April, Carrie, Will, Dan und Tom beobachtet beim Holzhacken, Jagen, Kochen. Man könnte fast meinen, Big Brother habe sich nach einer Konzeptänderung ein weiteres Mal selbst entdeckt. Doch die sechs auf der Insel „Ausgesetzten“ sind „behindert“: Gabriella ist gehörlos, April ist an Cherubismus erkrankt, Carrie ist kleinwüchsig, Will ist so genanntes Contergan-„Opfer“, Dan ist nach einem Unfall querschnittsgelähmt, Tom ist blind.
Sofort werden Stimmen laut wie: „Es ist niveaulos und unethisch, Behinderte im Reality-TV so zur Schau zu stellen!“
Reality-TV, das glaubt der tendenziell vojeuristisch veranlagte Zuschauer zu sehen. Um so enttäuschender ist es dann, wenn er erfährt, dass das Fernsehvölkchen hier nach Strich und Faden belogen wird. Denn Gabriella zum Beispiel heißt im wahren Leben Sophie Woolley und Tom verwandelt sich mit Abschalten der Kameras in Tim Gebbels. Das Einzige, das die Schauspieler mit ihren Rollen gemeinsam haben, sind die jeweiligen „Behinderungen“. Genau das ist das Prinzip der britischen Fake-Reality-Doku „Cast Offs“ (zu Deutsch: Die Verstoßenen)

Ich habe Menschen getroffen, die unsere Serie sehr kritisch gesehen haben. Dann ist die ganze Szene auch sehr politisiert und die Menschen haben sehr feste Meinungen über Behinderungen.
Joe Wilson, Produzent

In sechs einzelnen, jeweils ca. 45 Minuten langen Folgen werden die Bewohner ausführlich vorgestellt. Neben Aufnahmen von der Insel spielen hier auch ein paar Monate davor gedrehte Sequenzen, die das Alltagsleben der jeweiligen Rolle, sowie deren Geschichte abbilden, eine zentrale Rolle. So wähnt man sich als Zuschauer zum Beispiel live dabei, wenn Tom eine Frau zum Essen einlädt, oder hört Dan den Hergang seines Autounfalls schildern. Das alles geschieht auf eine sehr gefühlvolle Art, die manch einer eventuell nicht erwartet hätte. Neben ihrem Unterhaltungswert steht jedoch ein ernsthaftes politisches Statement, so der Produzent Joe Wilson:

Ich hoffe, dass die Zuschauer das als Satire sehen, eine Satire auf die Einstellungen der Gesellschaft und des Fernsehens gegenüber Behinderten, die ghettoisiert und immer besonders behandelt werden.

„Cast Offs“ erreicht mühelos das selbstgesteckte Ziel, die gesellschaftliche Abneigung „Behinderten“ gegenüber zu kritisieren und „Behinderte“ aus ihrer gesellschaftlichen Sonderrolle ausbrechen zu lassen. Denn auf der verlassenen Insel ist es natürlich überlebenswichtig, zu jagen, zu kochen, Holz zu hacken oder Wasser zu holen, eben alles das zu tun, was „gesunde“ Menschen in einer solchen Situation auch hätten erledigen müssen, und zwar unter gleichen Bedingungen.
Britische Behindertenverbände loben die Serie für ihre Satirik genauso wie für ihr politisches Statement:

Vielleicht wirken wir Behinderte dadurch nicht mehr ganz so ungewöhnlich, nicht mehr so als Freaks wie sonst.
Ian Macrae, Behinderten-Magazin Disability Now!“

Denn „Behinderte“ wollen eins nicht: ungewöhnlich sein. Vielmehr sehnt man sich als „Behinderter“ nach jeder sich nur bietenden Gelegenheit, ein „normales“, unbeschwertes Leben zu führen und die „Behinderung“ wenigstens für eine gewisse Zeit zu vergessen. Doch das ist meist nicht möglich, wenn man im alltäglichen Leben unterwegs ist. Ständig wird man als „Behinderter“ in der Öffentlichkeit durch gut gemeinte Hilfsangebote der Mitmenschen daran erinnert, dass man eben doch nicht „perfekt“ ist und vollkommen ohne Hilfe zurecht kommt. Immer wieder von dieser Utopie eines uneingeschränkten Lebens weggerissen zu werden, kann unglaublich weh tun.
„Cast Offs“ beschreibt genau diesen Kontrast. Einerseits versorgen sich die Bewohner auf der Insel völlig selbstständig. So wird Tom aufgrund seines überaus guten Gehörs von der Gruppe bestimmt, Wildtiere zu jagen.

Andererseits wird zum Beispiel auch dargstellt, wie Dan in seinem alltäglichen Leben in mancher Situation eben doch noch auf Hilfe angewiesen ist.

Obwohl die Geschichte der Charaktere immer aus deren Perspektive beschrieben wird, zerfließen sie in keinster Weise in Selbstmitleid, sondern schaffen durch das Einblenden fröhlicher, euphorischer Szenen von der Insel eine angenehme Ausgewogenheit.

Ich habe darauf gewartet, dass das Fernsehen endlich die Realität abbildet, das geschieht immer seltener. Aber wenn es passiert, dann ist es wichtig.
Matt Fraser, Darsteller „Will“

Und genau das geschieht mit dieser Serie. Das Fernsehen dokumentiert ungefiltert das Leben von sechs „behinderten“ (wenn auch teilweise fiktiven) Menschen. Es lohnt sich also unbedingt, diese Serie einmal anzusehen!
Aufgrund von rechtlichen Schwierigkeiten kann man die Folgen auf der Channel4-Website leider nur online sehen, wenn man in Großbritannien wohnt.
Alternativ dazu kann man sich hier die Folgen ansehen!!

Exkurs: German Toilet Organisation

•November 14, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Vor ein paar Wochen habe ich auf dem Zukunftskongress „Berlin lo(c)kt“, der leider unter einer etwas kleinen Teilnehmerzahl zu leiden hatte, die German Toilet Organisation kennengelernt. Dort stellte die Organisation ihre Ausstellung „Sanitation is Dignity“ vor.
Ein leichtes Schmunzeln, das war auch meine erste Reaktion. Doch diese Organisation leistet wichtige Arbeit, indem sie

  • über die sanitären Verhältnisse in Entwicklungsländern aufklärt
  • sich aktiv für die Verbesserung der sanitären Verhältnisse in Entwicklungsländern einsetzt

Ein wichtiger Punkt ist natürlich, die Jugendlichen und Schüler für ein solches Thema zu interessieren. Die „German Toilet Organisation“ hat hierfür ein eigenes Projekt ins Leben gerufen: „Klobalisierte Welt“. Mit Schülern von fünf Berliner Schulklassen wird im Rahmen dieses Projekts zum Thema „sanitäre Anlagen“ gearbeitet. Zum UN-Welttoilettentag am Donnerstag, 19. November veranstaltet die Organisation eine Pressekonferenz auf dem Pariser Platz (hinter dem Brandenburger Tor, Berlin). Es werden die Schüler und Teilnehmer des diesjährigen Projekts auftreten und ihre Ergebnisse vorstellen. Interessierte Journalisten und/oder Blogger finden hier die Einladung. Um Zurücksendung des Antworrtfaxes wird unbedingt gebeten!

Ein Brief an Guido und die FDP

•Oktober 30, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Weil mich die Forderungen nach der Abschaffung der Jobcenter, der Einführung der „Kopfpauschale“, die Ablehnung von gesetzlichen Mindestlöhnen, den geplanten Ausbau desNiedriglohnsektors(menschenunwürdige Arbeitsbedingungen, sittenwirdige Löhne!) schon etwas unsozial vorkam, habe ich mich einmal schriftlich an Strahle-Guido Guido Westerwelle stellvertretend für die FDP-Bundestagsfraktion gewand, um ihn mit meinen Befürchtungen, die FDP verfolge eine rücksichtslose „Ökonomisierung“ der Gesellschaft, zu konfronitieren.

Sehr geehrter Herr Westerwelle,
Aus persönlichen Gründen engagiere ich mich sehr für Behindertenpolitik und die Inklusion „behinderter“ Menschen in eine solidarische Gesellschaft. Ich wende mich an Sie in ihrer Eigenschaft als FDP Bundesvorsitzender und „das Gesicht“ der FDP in der Bundesregierung.
In dem von CDU und FDP vorgelegten Koalitionsvertrag heißt es:

„Es ist Ziel dieser Koalition, die wirtschaftliche und soziale Leistungsfähigkeit von Familien weiter zu stärken.“ (ZEILE 2946 – 2947)

Zieht man dazu die Wahlkampfforderungen ihrer Partei nach Abschaffung des Gesundheitsfonds, Abschaffung der Arbeitsämter, Ablehnung von Mindestlöhnen, Ausbau des Niedriglohnsektors sowie die von Ihnen mantra-artig wiederholte Parole „Arbeit muss sich wieder lohnen.“ In Betracht, so drängt sich mir das ungute Gefühl auf, die FDP sei eine unsoziale, ja sogar die unsozialste deutsche Partei. Mir persönlich stellt sich dann die Frage nach den „behinderten“ Menschen in der Gesellschaft. Folgt man ihrer Argumentation, verfolgen Sie und Ihre Partei eine „Ökonomisierung“ der Gesellschaft, d.h. Sie sortieren in der Gesellschaft fein säuberlich nach rein ökonomischen Aspekten, wie zum Beispiel „Wer ist am profitabelsten?“ Wer nicht „profitabel“ ist, der soll von der Gesellschaft fallen gelassen werden. Eine Solidargesellschaft wäre damit abgeschaft. Sogar in der Familie wollen Sie Leistungsfähigkeit fördern, „nicht leistungsfähige“ Familien lassen Sie bei Ihren Förderungen ganz außen vor. Es ist eindeutig festzustellen, dass „Behinderte“ in den Augen der FDP also nicht als „profitabel“ gelten, weil sie keinen ökonomischen Fortschritt zu bringen scheinen (ob dies wirklich der Fall ist, wage ich übrigens zu bezweifeln!).
Eine solche „Ökonomisierung“ der Gesellschaft kommt mir aus der deutschen Geschichte sehr bekannt vor, die verheerenden Folgen sollten uns allen bekannt sein.

„60.000 RM (Reichsmark) kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, dass ist auch dein Geld!“

Mit solchen und ähnlichen Parolen wurde 1934 begonnen, die NS-„Eugenik“ gesellschaftlich zu legitimieren, die letztendlich in der am 01.September 1939 erlassenen „Euthanasie“-Aktion mündete. Erschreckend an dieser Parole ist, dass die Nationalsozialisten eine „Ökonomisierung“ der deutschen Bevölkerung verfolgten, deren Ziel es war, die unprofitablen Glieder loszuwerden. Unprofitabel waren die „Behinderten“ im Sinne einer ökonomischen Volksgemeinschaft auch damals schon.

Und so wurde der Beginn der der nationalsozialistischen Massenmorde mit immerhin 500.000 umgebrachten „Behinderten“ und „psychisch kranken“ mit Argumenten legitimiert, die heutzutage die FDP als Forderung stellt.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte weder Ihre Partei mit der NSDAP gleichsetzen (das wäre eine fatale Überschätzung der Fähigkeiten der FDP), noch die heutige Situation der „behinderten“ Menschen in der Bundesrepublik mit den damaligen Verhältnissen vergleichen. Ein solcher Vergleich wäre grob fahrlässig und entzöge sich jedweder Glaubwürdigkeit. Ich möchte Sie lediglich davor warnen, eindringlich davor warnen, welch fatale Folgen die von Ihnen so ersehnte „Ökonomisierung“ der Gesellschaft hat. Die schwachen in der Gesellschaft werden einfach außer acht gelassen und von der Gesellschaft nicht weiter beachtet. Eine schöne Forderung, die die FDP da stellt.
Doch das ist nur die eine Seite zu dem Thema „Behindertenpolitik“. Denn andererseits lässt der Experte für Behindertenpolitik Ihrer Partei, Dr. Erwin Lotter, repräsentativ für die FDP in einer Publikation verlauten:

„Politik für Menschen mit Behinderung ist Bürgerrechtspolitik. Die vollständige Möglichkeit behinderter Menschen, an allen Bereichen des Lebens teilzunehmen, ist eines der Hauptziele liberaler Politik für Menschen mit Behinderung.“

An sich ist das eine gute Sache, nur scheinen solche Formulierungen für mich wenig glaubwürdig, eben weil die FDP aus der deutschen Solidargesellschaft eine nach ökonomischen Gesichtspunkten klar auf Effizienz ausgerichtete Gesellschaft schaffen möchte, in der es nicht erwünscht ist, ein schwächeres Gesellschaftsmitglied zu unterstützen. Wenn Sie sich ansehen, wie Sie mit Ihren Forderungen, die Arbeitsämter abzuschaffen, statt des Gesundheitsfonds eine Kopfpauschale einzuführen, einen gesetzlichen, flächendeckenden Mindestlohn nicht einzusetzen, die arbeitslosen und auf soziale Unterstützung der Solidargemeinschaft angewiesenen Mitglieder schikanieren, wissen Sie vielleicht, was ich meine und wo meine Befürchtung liegt.
Zum Abschluss würde ich Sie nur bitten, mir folgende Frage zu beantworten: Wie möchten Sie trotz der von Ihnen klar angestrebten ökonomisierten Gesellschaft eine soziale Behindertenpolitik, wie Sie Dr. Erwin Lotter fordert, durchsetzen? Erlauben Sie mir noch eine zweite Frage: Wenn Ihnen und der FDP eine soziale Behindertenpolitik von so zentraler Bedeutung ist, dann hat die neue Bundesregierung doch bestimmt schon einen Behindertenbeauftragten. Verraten Sie mir seinen Namen?

Mit freundlichen Grüßen

Ehrlich gesagt, rechne ich nicht mit einer Antwort, aber was solls.
Im Zugew meiner Recherche über Behindertenpolitik in der FDP bin ich dann auf Dr. Erwin Lotter gestoßen, der sich wirklich sehr engagiert für Behindertenpolitik einsetzt, wie man an den vielen Publikationen sehen kann. Besonders interessant:
Mit diesem Herren werde ich in näherer Zukunft telefonieren, da ich seine Ansätze für wirklich positiv und einen Schritt in die richtige Richtung halte. Trotzdem betrachte ich die von der FDP angestrebte ökonomisch ausgerichtete Gesellschaft sehr, sehr kritisch, wie es auch in meinem Schreiben anklingt.

Ein Rap zur „T4-Aktion“ von „Schattenkabinett“

•September 19, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Eine ganz neuer Weg, sich mit dem Thema „Euthanasie“ und Zwangssterilisierung auseinanderzusetzen, ist die Musik. Heute erreichte mich der Link zu einer Gruppe namens „Schattenkabinett“, die genau dies getan hat. Den dabei entstandenen Rap kann man sich hier anhören. Großes Lob an die Interpreten!

Gedenkveranstaltung vom 05. September 2009

•September 7, 2009 • 1 Kommentar

Mit jedem Jahr, in dem eine Gedenkveranstaltung zu Ehren der „Euthanasie“-Opfern und Zwangssterilisierten stattfindet, werden mehr Leute auf diese Veranstaltung aufmerksam. Es war ein sehr bewegender Nachmittag, der Erinnern, Mahnen und zum Gedenken anregen sollte. Durch die Veranstaltung führte (wie bereits in den Jahren zuvor) Ruth Fricke, die sich im Bundesverband der Psychatrieerfahrenen (BEP) e.V. engagiert. Das formale Grußwort erfolgte durch den Bürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke.

Dr. Christian Hanke

Dr. Christian Hanke


Als Vertreter des Runden Tisches und in seiner ehemaligen Funktion als Behindertenbeuftragter der Stadt Berlin ergriff daraufhin Herr Martin Marquard das Wort für die einzige wirkliche Rede dieses Nachmittags. Er erwähnte die gesllschaftliche Ächtung von „Behinderungen“ genauso wie die historischen Fakten der „Euthanasie“-Aktion.
Martin Marquard - ehem. Behindertenbeauftragter Berlins

Martin Marquard - ehem. Behindertenbeauftragter Berlins


Den ergreifensten Part des Gedenkens bildete aber meiner Meinung nach die Autorin Kerstin Schneider, die aus dem von ihr verfassten Buch „Maries Akte“ vorlas. In dem Buch schildert die Autorin das Leben ihrer Großtante MArie (soweit es recherchiert wurde), die der Euthanasie als sogenannte „psychisch Kranke“ der Euthanasie zum Opfer fiel. Ebenfalls sehr interessant sind die Passsagen des Buches, die von dem Umgehen innerhalb der Familie mit diesem Mord handeln.
Kerstin Schneider - Autorin

Kerstin Schneider - Autorin


ICh hoffe sehr darauf, dass der BPE e.V. diese Veranstaltung wieder großflächig begleitet hat und dementsprechendes Material möglichst zeitnah zur freien Verfügung bereitstellt. Bei Allen, die am Samstag an der Gedenkveranstaltung teilgenommen haben, möcht ich mich herzlich bedanken. Hier noch ein paar weitere Impressionen:

Publikum

Publikum



Einladung zur Mahn- und Gedenkveranstaltung für die Opfer der Erbgesundheitsgesetze des Nationalsozialismus

•August 12, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Das geht ja jetzt Schlag auf Schlag: Gestern noch einen Post über Frau Kennedy Shriver geschrieben, und heute erreicht mich Folgendes:
Am Samstag, den 05.September findet dieses Jahr die alljährliche Man- und Gedenkveranstaltung zu Ehren der Opfer der „Erbgesundheitsgesetze“ aus dem Nationalsozialismus statt.
Unter Dem Motto Gleichstellung und Entschädigung der Opfer – jetzt! werden neben dem Bezirksbürgermeister des Berliner Stadtteils Mitte, Dr. Christian Hanke, unter Anderem der Beauftragte des Landes Berlin für die Belange „behinderter“ Menschen, Martin Marquard, sowie die freihe Autorin Kerstin Schneider zu Wort kommen. Auch werden bei der diesjährigen Veranstaltung zwei Gebärdendolmetscher anwesend sein, damit sich keinerlei Barrieren den gehörlosen Menschen in den Weg stellen. Wie bereits in den vergangenen Jahren wird Frau Ruth Fricke (BPE e.V.) durch die Veranstaltung führen.

In aller Kompaktheit:
Samstag, 05. September 2009,
Tiergartenstraße 4, Berlin-Mitte (vor der Philharmonie)
Beginn: 14:00 Uhr

Natürlich existiert die Einladung auch im PDF-Format. Diese kann man sich hier ansehen.
Ich hoffe auf zahlreiches Erscheinen!

Eunice Kennedy Shriver gestorben

•August 11, 2009 • Schreibe einen Kommentar

Heute morgen, 11.08.2009, ist die Schwester des früheren Amerikanischen Präsidenten John F Kennedy 88-jährig verstorben. Nun ja, das ist zunächst nicht unbedingt eine Meldung für ein Blog, das sich mit der „Euthanasie“-Geschichte und „behinderten“ Menschen in der heutigen Gesellschaft beschäftigt.
Eunice Shriver, die Mutter Maria Shrivers, jedoch hat erstaunliches für die „Behinderten“ und den „Behinderten“-Sport geleistet: Sie hat die ersten Special Olympics im Jahr 1968 organisiert, inspiriert von ihrer „geistig behinderten“ Schwester Rosemary Kennedy. Mit der Organisation und der regelmäßigen Austragung hat Frau Shriver somit „behinderten“ Menschen erstmals die Möglichkeit gegeben, sich in Olympischen Disziplinen einer stetig wachsenden Öffentlichkeit zu präsentieren und diese unweigerlich mit dem Thema „Behinderung“ und „behindert sein“ bzw. als „behindert“ bezeichnet zu werden, konfrontiert. Zwar gab es erste sportliche Wettkämpfe für Rollstuhlfahrer schon seit dem Jahr 1948, so wurde der Fokus in der Entwicklung des „Behinderten“-Sports doch zu sehr auf „körperbehinderte“ Menschen gelegt. In diesem Zuge entwickelten sich die die Paralympics, die seit 1992 in unmittelbarem Zusamenhang mit den Olympischen Sommer- bzw. Winterspielen organsiert werden. Doch für geistig „behinderte“ Menschen gab es alnge Zeit nichts dergleichen.
Auuch die seit 1968 in relativ regelmäßig stattfindende Spiele veränderten sich im Laufe der Zeit, und so findet man unter den insgesamt 27 offiziell anerkannten Special Olympics Sportarten neben „gewöhnlichen“ Sportarten wie Fußball, Schwimmen oder Leichtathletik auch „Softball“ oder „Speed-Inline-Skateing“, das derzeit noch auf eine Akkreditierung als „offizielle olympische Sportart“ wartet.
In Deutschland ist der Verband Special Olympics Deutschland mit der Organisation des „Behinderten“-Sportes für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung betraut. Weitere bedeutende Verbände finden sich in Luxemburg, Österreich, der Schweiz und natürlich Amerika, deren Seite bemerkenswerter Weise die Domain http://www.eunicekennedyshriver.org/“trägt. Das zeigt noch einmal, wie herzlich und liebevoll sich Frau Shriver für die Special Olympics engagiert hat.
Außerhalb der Special Olympics hat Frau Shriver (oder korrekt Frau Kennedy Shriver) Camps eingerichtet, in denen „geistig behinderte“ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihren sportlichen Hobbies nachgehen können. In diesem Video spricht die Gründerin über den Mangel an Möglichkeiten für „geistig Behinderte“, sich sportlich zu betätigen und das daraus resultierende Sieken des Selbstvertrauens und -wertgefühls.
In einer Reportage des Amerikanischen Fernsehsenders NBC wird die Biografie Frau Kennedy Shrivers kurz beleuchtet, und es wird deutlich, dass ihr Bruder, damals Präsident der Vereinigten Staaten, das Engagement seiner Schwester für den Sport von „gesteig behinderten“ Menschen tatkräftig unterstützt und die gesllschaftliche Anerkennung „behinderter“ Menschen maßgeblich gefördert hat.
Doch auch in Deutschland hat der „behinderten“-Sport einen prominenten Vertreter: Unseren Bundespräsidenten Horst Köhler. Regelmäßig besucht er neben Wolfgang Schäuble, in seiner Funktion als Bundesinnenminister (auch für den Bereich Sport zuständig>, der seit der Wahlkampfattacke eines Phanatikers querschnittsgelähmt ist und im Rollstuhl sitzt, die Eröffnung sowie zahlreiche Wettkämpfe der Paralympischen Spiele. Für den deutschen Special Olympics Verband übernahm Horst Köhler kürzlich die Schirmherrschaft für die so genannten National Games, eine Art Special Olympics nur eben auf nationaler Ebene. Doch auch bei ihm geschieht das nicht alles ohne einen persönlichen Hintergründ: Horst Köhler hat eine blinde Tochter, die an der unheilbaren Augenkrankheit Augenkrankheit „Retinopathia pigmentosa“.
Doch trotz alledem: Der Geist von Eunice Kennedy Shriver lebt weiter, in dem von ihr zu Kräfte gebrachten Sport für „geistig behinderte“ Menschen. Für ihr Engagement und ihren selbstlosen Einsatz danken wir ihr von ganzem Herzen.

You are the stars and the world is watching you. BY your presence you send your message to every village, every city, every nation. A message of hope. A message of victory.

(Eunice Kennedy Shriver, 1987 Special Olympic Worldgames, South Bend, Indien)

 
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